Wie Du lernen kannst, zu vergeben

Aktualisiert: März 5

Ich nahm mein Handy und schrieb einem Freund, ob wir wieder einmal zusammen etwas machen wollen: Einen gemütlichen Nachmittag verbringen, einen Film schauen, etwas gamen, herumalbern und lachen. «Kann leider nicht», kam es zurück. Er hätte schon etwas vor und keine Zeit. «Schon wieder», dachte ich dann etwas frustriert. Manchmal konnte dieser Frust sich in eine richtig schlechte Laune oder Niedergeschlagenheit ausbreiten. Und es dauerte auch oft einige Zeit, bis sich der emotionale Missstand wieder legte. Wie kommt es, dass so eine scheinbare Kleinigkeit eine solche Verstimmung auslösen kann? Was kann man dagegen tun und noch besser, wie verhindert man, überhaupt in diese Stimmung hineinzufallen? In einem meiner Beiträge habe ich Dir bereits gezeigt, wie Du Dir selbst vergeben kannst, und dass dies die Voraussetzung ist, auch anderen Menschen vergeben zu können. Falls Du damit noch nicht vertraut bist, möchte ich Dich einladen, diesen Beitrag zur Selbstvergebung zuerst zu lesen oder Dir anzuhören, bevor Du hier weiterfährst.

Früher konnte ich manchmal tagelang nachtragend sein, wenn ich das Gefühl hatte, dass mir Unrecht angetan wurde. Wahrscheinlich kennst Du das auch. Das Ungünstige an dieser Reaktion ist allerdings, dass Du dadurch ein punktuelles Ereignis aus der Vergangenheit immer wieder in die Gegenwart zurückholst und damit im Hier und Jetzt Unglück, Unzufriedenheit, Trauer, Wut und weitere negative Emotionen erlebst und die damit verbundenen, niedrigen Schwingungen wiederholst, verstärkst und wieder aussendest. Und hier gleich ein Hinweis: Es geht nicht darum, die im Moment der Enttäuschung gefühlte Empfindung abzuspalten, zu verdrängen oder zu unterdrücken. Es ist wichtig, diese Emotion zuzulassen und hineinzugehen, um sie anschliessend heilen und loslassen zu können. Wenn Du aber immer und immer wieder in diese Emotion hineingehst und nicht loslassen kannst, dann ist das eher ein Akt der Selbstsabotage, die Du unbewusst nutzt, um Zuwendung und Fürsorge zu erhalten. Wie so oft im Leben ist das ein unbewusster, stummer Schrei nach Liebe. Doch anderen ihre Fehler und Dir angetanes Unrecht nicht zu verzeihen ist ein sicherer Weg in persönliches Unglück. Denn Du verursachst damit in Dir eine anhaltend negative Energie. Dazu gibt es ein passendes Zitat, das Buddha zugeschrieben wird:

An Zorn festzuhalten, ist wie Gift zu trinken und zu erwarten, dass der andere dadurch stirbt.

Es geht also bei der Vergebung nicht nur darum, dem anderen nicht mehr nachtragend zu sein oder sich zu wünschen, dass ihm oder ihr der Himmel auf den Kopf fällt. Es geht vor allem um Deinen Selbstschutz und darum, dass Du wieder in eine positive Energie und eine höhere Schwingung kommst. Im Folgenden möchte ich Dir vier Schritte aufzeigen, wie Du nachhaltig vergeben und damit wieder in Deine Schöpferkraft kommen kannst.


Die vier Schritte der Vergebung


1. Bewusstsein heben

Im ersten Schritt geht es darum, dass Du Dich vom Mangeldenken löst. Das Mangeldenken kennen wir alle und viele von uns sind leider immer noch tief in diesem Denken drin. Das Tor aus diesem Mangeldenken hinein in die Fülle ist der Mut, wie ich es bereits in meinem Beitrag «Weg von Angst, hin zu Mut» anhand der Bewusstseinsskala von Hawkins beschrieben habe. Zu vergeben erfordert also Mut und ist somit auch ein Zeichen der Stärke. Wie Gandhi bereits sagte:

Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken.

Du darfst Dir also bewusst machen, auf welcher Bewusstseinsstufe Du Dich allgemein befindest. Bist Du in der Angst, in der Wut oder im Stolz? Auf diesen Ebenen ist Vergebung kaum möglich. Versuche Dich also dem Mut zuzuwenden, diesen zu üben und zu stärken. Begib Dich immer wieder etwas aus Deiner Komfortzone heraus, so dass es Mut erfordert, Dich aber nicht überfordert. Wenn Du Dein Bewusstsein auf die Stufe des Mutes bringst, bist Du in der Fülle und ab da ist auch Vergebung möglich.


2. In Verbindung gehen

Im zweiten Schritt lade ich Dich ein, Dein unsterbliches Selbst wieder zu spüren. Du fragst Dich wohl, was ich damit meine. Erinnere Dich daran, dass Du nicht Dein Körper oder Dein Verstand bist, sondern deren Besitzer. Du bist eine unsterbliche Seele, die hier vorübergehend zu Besuch in der Schule des Lebens ist. Löse Dich von der Illusion des Ich, an dem die alltäglichen Etiketten und Rollen anhaften. Du bist weder Dein Name, noch Dein Job, noch Dein Rang, noch Dein Titel, den Du vielleicht trägst. Du bist reine Existenz und Energie.


So hart das klingen mag, aber Du hast dieses Leben erwählt. Du hast den Ort, die Zeit, Deine Eltern und Dein Leben als unsterbliche Seele selbst gewählt, um hier handeln und bestimmte Erfahrungen machen zu können. Und für jede Erfahrung, die Du in der Welt machen willst, musst Du sozusagen erst Mal das Gegenteil erfahren. Das gilt für alles, sei es Liebe, Frieden, Gesundheit oder eben Vergebung. Denn die materielle Welt ist eine duale Welt. Es ist die Welt der Gegensätze, wo alles zwei Seiten hat. Hass und Liebe, Krieg und Frieden, Leid und Freude, Verlust und Gewinn, Schmerz und Vergebung. Denn erst wenn Dir etwas Wertvolles weggenommen wurde, erst wenn Du verletzt wurdest und Schmerzen erfahren hast, erst dann hast Du überhaupt die Möglichkeit in die Vergebung zu gehen.

3. Anerkennung geben

Beim dritten Schritt geht es darum, dass Du annehmen kannst, was passiert ist. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass annehmen nicht bedeutet, es gutzuheissen. Was Dir widerfahren ist, ist schlecht, gemein, unrecht, schmerzvoll, überhaupt keine Frage. Doch nur wenn Du wirklich anerkennen kannst, dass es passiert ist, hast Du auch die Möglichkeit, in die Vergebung und in die Heilung gehen zu können. Denn solange Du diesen Teil von Dir abspaltest und so tust, als ob er nicht zu Dir gehören würde, kannst Du ihn auch nicht heilen und loslassen.


4. Vergeben

Im vierten Schritt möchte ich Dich nun dazu einladen, ein Vergebungsritual zu praktizieren. Das kann ein Vergebungsritual sein, das Du selbst entworfen hast, oder Du kannst Dich auch an dem Beispiel orientieren, das ich Dir hier vorstelle. Dazu erstellst Du zwei Listen. Auf die erste Liste notierst Du Dir alle Menschen, durch die Du verletzt wurdest und die Situationen, in denen Du verletzt wurdest. Schreibe alles auf, was auf Deine Vergebung wartet. Dann notierst Du Dir auf einer zweiten Liste alle Menschen, denen Du Unrecht getan hast oder die Du verletzt hast. Schreibe alles auf, wo Du Dir Vergebung für Dich wünschst. Wenn Du soweit bist, lege die beiden Listen vor Dich hin und mache Dir Folgendes bewusst: So lange niemand vergibt, werden die Listen immer nur länger werden. Leid und Schmerz werden sich immer mehr anhäufen. Erinnere Dich daran, dass Verzeihen eine Eigenschaft des Starken ist. Gehe mutig und als starkes Vorbild voran, um denen zu vergeben, die Dir Unrecht angetan haben. Mit dieser neuen Energie, die Du aussendest, kannst Du ins Vertrauen gehen, dass auch Dir das Unrecht vergeben wird, das Du anderen angetan hast. Und ich wiederhole an der Stelle, zu vergeben bedeutet nicht, das Unrecht gutzuheissen. Es bedeutet einfach, ordentlich damit abzuschliessen und loszulassen, um diesen Schmerz aus der Vergangenheit nicht jeden Tag wieder neu zu durchleben.


Nun kannst Du es angehen und jedem der Menschen auf Deiner Liste vergeben. Wie Du das konkret tust, dabei kannst Du Deiner Kreativität völlig freien Lauf lassen. Du musst den Menschen nicht unbedingt kontaktieren, um ihm zu vergeben. Es ist energetisch ausreichend, wenn Du das einfach von Deiner Seite aus tust. Vielleicht magst Du spazieren gehen, und die Vergebung in den Wald hinein schreien. Vielleicht möchtest Du ein Lied singen, um zu vergeben. Vielleicht möchtest Du in einer Meditation eine innere Reise zu dem Menschen machen, um zu vergeben. Vielleicht möchtest Du eine Zeichnung machen und diese dann zerreissen oder verbrennen. Es gibt hier unzählige Möglichkeiten. Wichtig ist dabei, dass Du Dich emotional vollkommen darauf einlässt, zu vergeben, und dass Du ehrlich bereit dazu bist, endlich loszulassen. Denn es geht nicht nur darum, dem anderen zu verzeihen. Es geht vor allem auch darum, dass Du wieder aus Deinem selbst gebauten Gefängnis in die Freiheit gehen und ein glückliches Leben führen kannst.

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