Kohärenz in einer kranken Welt

Aktualisiert: Okt 25

Es dauerte nicht lange, da bekam ich eine Antwort auf die SMS, die ich geschickt hatte. Er denke, dass wir inzwischen in komplett verschiedenen Welten leben. Seine Trauer um Freunde, Kollegen und Bekannte, die an Covid-19 gestorben sind, sitze tief und er habe keine Kraft, sich mit meiner Sicht auf die Dinge zu beschäftigen. So endete eine langjährige, tiefgehende Freundschaft. Ich verstehe seine Wahrnehmung der Welt, verleihe meinem Respekt gegenüber seiner Entscheidung Ausdruck und wünsche ihm und seiner Familie alles Gute auf dem weiteren Lebensweg.


Die Mutter aller Spaltungen

Die Spaltung, die durch die Coronakrise entstanden ist, ist von unvergleichbarer Härte und Vehemenz. Sie geht durch Familien, Freundschaften, Beziehungen und Partnerschaften. Ich habe meine Gründe, weshalb ich die Krise sehr kritisch und als inszeniert betrachte. Es ist meine Wahrnehmung. Genauso haben Menschen, die Angst vor dem Virus haben und Masken tragen, ihre Gründe dafür. Beide Sichtweisen entsprechen mit Sicherheit nicht der absoluten Wahrheit. Denn wie wir wissen, gibt es diese nicht. Beide haben ihre Beweggründe, Argumente, Überzeugungen, Ängste, Emotionen und Seelenschmerzen. Ich werde hier respektvoll meine Sichtweise erläutern, die meiner Meinung nach im öffentlichen Diskurs zu kurz kommt.

Spaltung

Unsere Erfahrungen, Erwartungen und Eindrücke, die wir im Leben machen und haben, festigen unsere Wahrnehmung der Welt. Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind, wir sehen sie so, wie wir sind. Dieses Zitat der amerikanischen Schriftstellerin Anaïs Nin aus dem 20. Jahrhundert ist von zeitloser Wahrheit.


Die Wahrnehmung bildet sich nicht zuletzt auch aus den Medien, die wir konsumieren und aus den Gesprächen mit Menschen, deren Argumenten und Meinungen. In beiden Fällen stellt sich für mich die Frage der Interessenkonflikte: Bei den Leitmedien, die den Takt vorgeben, sind diese Konflikte inzwischen offensichtlich und man kann die Objektivität und Ehrlichkeit der Berichterstattung stark in Zweifel ziehen. Wenn man beispielsweise an Demonstrationen gegen die Corona-Massnahmen teilnimmt, trifft man besorgte Menschen aus allen möglichen Ebenen der Gesellschaft. Von Geschäftsleuten, besorgten Eltern, Lehrern, Bauarbeitern bis hin zu Punks trifft man eine bunt durchmischte Menschenmenge an. Die Medienberichte zeichnen dann jedoch ein ganz anderes Bild, und es wird von rechtsradikalen Gewalttätern gesprochen. Da darf man sich durchaus fragen, welche Interessen hinter dieser Diffamierung stecken. In den direkten Gesprächen mit einzelnen Menschen stellt sich diese Frage genauso. Handelt es sich beispielsweise um pensionierte, ehemalige Fachleute, die ohne finanzielle Repressalien befürchten zu müssen, offen ihre Meinung kundtun können, ja höchstens noch ihren guten Ruf aufs Spiel setzen? Oder sind es Menschen, die in lohnabhängigen Positionen sind, wo mit Geld oder der Kündigung Druck ausgeübt werden kann? Es ist wie bei der Folter, wenn der Druck gross genug ist, werden die meisten Menschen jedes Eingeständnis machen, das sie vor der Folter bewahrt.


Die Welt wird nie mehr so sein wie früher, dessen zumindest sind sich beide Seiten der Corona-Spaltung einig. Was die Zukunft betrifft, so haben wir zwei mögliche Zukunftsszenarien:

  • Die dystopische Überwachungsgesellschaft, ohne Besitz, in totaler Abhängigkeit vom System und in einem ständigen Zustand der Angst

  • Die utopische Freiheitsgesellschaft, voller Lebensfreude und Selbstbestimmung

Die heilige Kohärenz

Es dürfte klar sein, dass ich Letztere bevorzuge und dies auch der Wunsch aller Menschen ist. Eine grosse Herausforderung, die ich bei der Überwindung der Spaltung sehe, ist das Ertragen der Phase der Inkohärenz, um zu neuen Einsichten zu kommen. Kohärenz ist das Kernstück des Salutogenese-Modells und beschreibt einen Zustand, in dem sich die äusseren Ereignisse sauber ins eigene kognitive Schema und auch den gesamten emotionalen, seelischen und körperlichen Seinszustand einordnen lassen. Das heisst konkret:

  • Die Ereignisse der inneren und äusseren Umwelt müssen strukturiert, vorhersehbar und erklärbar sein

  • Die Ressourcen müssen verfügbar sein, um den Anforderungen durch diese Ereignisse gerecht werden zu können

  • Die Anforderungen werden als Herausforderungen gesehen, die es wert sind, sich dafür einzusetzen

Kohärenz

Es geht also um Verstehbarkeit, Bewältigbarkeit und Sinnhaftigkeit. Fehlt etwas davon, kommt unser Hirn in einen inkohärenten Zustand, der für uns enorm schmerzhaft und anstrengend ist. Da das Hirn unser grösster Energieverbraucher ist, tut es alles, um Energie zu sparen. Bei einem inkohärenten Zustand versucht es also so schnell wie möglich wieder Kohärenz herzustellen. Da das Anpassen des kognitiven Schemas ebenfalls sehr anstrengend und schmerzhaft ist, ist es einfacher, die Ereignisse im Aussen mit allen möglichen Hilfsmitteln ins bestehende Schema zu pressen. Denn sonst müsste man sich eingestehen, dass man sich die ganze Zeit geirrt hat, was eine vorübergehende, sehr schwere emotionale Last sein kann. Es ist also einfacher, sich weiter zu belügen, als etwas Neues anzunehmen, was nicht ins bisherige Weltbild passt.


Gegenargumente und Alterserscheinungen

Mir ist klar, dass das Gegenargument lauten wird, das ich von meinem Standpunkt aus auch meine Kohärenz wahre. Dieses Argument ist berechtigt und diesem muss man sich stellen. Das heisst konkret, dass man auch immer wieder die Argumente der so genannten Gegenseite anhören sollte, auch wenn es manchmal kaum auszuhalten ist. Das ist in diesem Zusammenhang nicht nur psychologisch wichtig, sondern eine ganz wichtige Grundlage, um überhaupt so etwas wie einer Demokratie gerecht werden zu können. So höre ich mir immer wieder die Gegenargumente an und versuche sie möglichst wertefrei zu betrachten. Ich darf hier eingestehen, dass mir das auch nicht immer gelingt.


Aus Gesprächen mit älteren Menschen wird klar, dass diese noch viel grössere Schwierigkeiten haben, ein bestehendes Weltbild loszulassen. Der damit verbundene Schmerz wäre zu gross. Es bleibt diesen Menschen vermutlich nicht mehr so viel Lebenszeit, und es ist mehr als nur verständlich, dass sie in dieser Lebensphase sich nicht noch mit einer derartigen Inkohärenz herumschlagen wollen.


Jeder darf seine Meinung kundtun, auch wenn diese anderen nicht gefällt. Und wenn sich jemand gegen eine bestimmte Krankheit impfen oder eben nicht impfen lassen will, dann ist das zu respektieren. Die Diskriminierung einer Menschengruppe aufgrund solch einer Entscheidung halte ich für extrem gefährlich – und es verstösst auch gegen die Menschenrechte. Ich möchte den Befürwortern der flächendeckenden Corona-Impfung hier einfach einladen, sich Gedanken zu machen. Weshalb ist seitens der Regierungen ein solcher Druck auf die so genannten «Uneinsichtigen» notwendig, und wieso erfolgt dieser Duck in grossen Teilen der Welt derart gleichgeschaltet? Wenn die Krankheit so gefährlich wäre und die Menschen wie die Fliegen sterben würden, dann würden das fast alle Menschen auch erkennen, dessen bin mir sicher. Weil jeder jemanden kennen würde, der auf der Strasse, im Zug oder im Laden zusammengeklappt wäre. Die massiven Widersprüche innerhalb des offiziellen Narrativs machen es meiner Meinung nach noch umso schwerer, es zu glauben.


Alle gehören zur Menschheitsfamilie

Was die Meinungen betrifft, so sehen wir im Moment vor allem die beiden Extrempunkte:

  • Covid ist ganz schlimm, nur Impfen hilft, alle anderen sind Idioten

  • Covid ist völlig harmlos oder gibt’s nicht, Impfen ist lebensgefährlich, alle anderen sind Idioten

Meinungsvielfalt

Was wir oft vergessen, ist dass es zwischen diesen beiden Polen ein ganzes Spektrum von Meinungen, Ansichten und Überzeugungen gibt. Ich persönlich halte Covid für harmlos, wobei ich mich unter anderem auf die Metastudie von John P. A. Ioannidis stütze. Die Impfung hingegen halte ich für gefährlich, nicht zuletzt aufgrund der Arbeit und der Veröffentlichungen des Corona-Ausschusses. Egal welche Ansicht jeder einzelne hier vertritt, wovon wir dringend Abstand nehmen sollten, ist es die anderen als Idioten oder gar Untermenschen zu betrachten. Auch wenn die Meinungen noch so auseinander gehen, müssen wir den respektvollen Umgang wahren. Es ist das alte Spiel «divide et impera», in dem die Eliten und die politischen Machthaber die Menschen gegeneinander aufhetzen, um von sich und ihren Schandtaten abzulenken.


Wir sollten als Zivilisation inzwischen reif genug sein, dieses Spiel zu durchschauen. Es ist von grösster Wichtigkeit, diese Spaltung zu überwinden und hineinzukommen in eine Verbindung zwischen Geimpften und Ungeimpften, zwischen Maskenträgern und Maskenbefreiten, zwischen Verängstigten und Unbeeindruckten. Denn sonst könnten die Diskriminierenden von heute ganz schnell die Diskriminierten von morgen sein, wenn die Stimmung kippt und das Pendel zurückschwingt.

Liebe und Mitgefühl

Bleibt in der Liebe und im Mitgefühl – und respektiert die persönlichen Entscheidungen eines jeden Einzelnen. Damit schaffen wir neben Kohärenz auch wieder ein menschliches Miteinander. Die Corona-Krise hat auch durchaus ihre guten Seiten gehabt. Neben den Freundschaften, die zerbrochen sind, sind auch viele neue Verbindungen von und zwischen Herzensmenschen entstanden. Es sind viele Graswurzelbewegungen, Vereine und Gruppen von Menschen entstanden, die sehr bewusst sind, sich Gedanken machen und Initiativen starten, die ein menschenwürdiges Leben in Harmonie mit der Natur zum Ziel haben. Besonders viel Mut macht mir, dass viele Jugendliche, mit denen ich sprechen durfte, ein erstaunliches Bewusstsein haben für die Prozesse, die auf der Welt laufen. Daran könnten und sollten sich einige ältere Generationen ein Beispiel nehmen.

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